Cristiana Bocchi: Die Verwaltungs- und Finanzmanagerin von Errecom Spa
1) Wir wissen, dass Sie heute eine wichtige Schlüsselrolle bei Errecom einnehmen. Welcher Weg hat Sie hierher geführt?
Im August 2017 war ich auf der Suche nach einem Arbeitsplatz, der mir die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung anbot. Ich kam aus einer beruflichen Erfahrung, die mich enttäuscht hatte und auch einen bitteren Nachgeschmack im Mund hinterließ, aber gleichzeitig verspürte ich auch einen starken Wunsch nach Erlösung und Vergeltung. Wenn ich an die ersten Tage bei Errecom zurückdenke, muss ich lächeln: In 32 Stunden musste ich die komplette Buchführung des Unternehmens erlernen, ein ziemliches Trauma! Spaß beiseite, die Übergabe ging sehr schnell: Es war sehr stressig, aber gleichzeitig auch herausfordernd. Obwohl ich 17 Jahre an Berufserfahrung im Bereich Buchhaltung und Verwaltung hatte, musste ich mich dennoch neu beweisen, die Ärmel hochkrempeln und einfach loslegen, denn jedes Unternehmen ist eine Welt für sich, auch in der Verwaltung und im Management. Vom Charakter her bin ich ein Mensch, der sein Bestes gibt, aber eher hinter den Kulissen arbeitet. Ich mag es nicht, mich aufzudrängen oder über andere zu stehen. Und obwohl ich diese Neigung habe, im Hintergrund bleiben zu wollen, wurden mein Einsatz und mein Wert anerkannt und geschätzt, so dass ich heute die Rolle als Verwaltungs- und Finanzmanagerin bei Errecom innehabe. Wenn ich zurückblicke und über die vergangenen Schwierigkeiten nachdenke, dann kann ich es nicht glauben, dass ich es so weit geschafft habe: erfüllt und zufrieden in meinem Traumjob! Es ist wirklich wahr, dass sich Ausdauer und Engagement immer auszahlen. Selbstverständlich gibt es im Leben immer viele Variablen, die mit reinspielen und den Erfolg beeinflussen: Bescheidenheit, die Lust, sich ständig erneut zu beweisen, das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ich glaube jedoch, dass eines am Ende des Tages über alle siegt, und das ist die Ausdauer.
2) Was gefällt Ihnen am meisten an Ihrer Arbeit?
Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Es gab eine Zeit, in der ich die Leidenschaft für meine Arbeit stark hinterfragt habe. Angetrieben von dem Bedürfnis zu verstehen, was ich beruflich machen will und dem Wunsch, mich beruflich zu verwirklichen, habe ich mich auf neue Wege begeben. Es war so, dass ich mich in die Welt des Verkaufs gestürzt habe: Eine komplett andere Welt im Verhältnis zu der der Verwaltung aber ganz sachlich betrachtet, hat es mir sogar eine gewisse Befriedigung gegeben. Dennoch habe ich sofort von Beginn an begriffen, dass dies nicht mein Weg war: Jeder Job erfordert eine bestimmte Veranlagung und Eignung und die des Verkäufers entsprach nicht meiner Persönlichkeit. Also begab ich mich auf einen Weg der persönlichen Weiterentwicklung, indem ich mich einem Coach anvertraut habe und raten Sie mal, was das erste war was er mir sagte? Sie sind perfekt für die administrativen Aufgaben! Also habe ich entschieden meiner Karriere in der Verwaltung eine zweite Chance zu geben und diesmal zu versuchen, die Arbeit aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und den Herausforderungen mit mehr Mut und Selbstvertrauen zu begegnen. Nun, es hat funktioniert: Von diesem Tag an hatte ich keine Zweifel mehr. Ich denke, dass das „mich selbst in Frage stellen“ grundlegend dafür war, die Liebe und Leidenschaft, die ich für meine Arbeit habe, wieder zu entdecken. Bei Errecom fühle ich mich erfüllt, ich habe das Gefühl, dass das, was ich tue, einen ganz bestimmten Zweck und Wert hat. Hier bin ich nicht nur eine Nummer, ganz im Gegenteil. An meiner Arbeit liebe ich die Tatsache, dass es jeden Tag neue Impulse gibt und ich das Gefühl habe, Teil eines dynamischen und sich ständig weiterentwickelnden Unternehmens zu sein. Das Abenteuer von Errecom hat vor 20 Jahren begonnen und wenn ich die Ergebnisse sehe, die bis heute erzielt wurden, mit dem Wissen, dass ich auch einen Teil dazu beigetragen habe, dann ist das eine wirklich unbezahlbare Befriedigung.
3) Zahlen, Bilanzen, Konten, Präzision und akribisches Vorgehen: Sind das Eigenschaften, die Sie auch außerhalb Ihres Berufs auszeichnen?
Ich liebe die Zahlen: Von einem bestimmten Standpunkt aus betrachtet, scheint dies ein Ideal von mir zu sein, sowohl bei der Arbeit als auch zu Hause und in meiner Freizeit! Ich muss jedoch zugeben, dass ich mich nicht als typische Buchhalterin definieren würde. Auch wenn ich die Zahlen liebe, gefällt es mir auch etwas zu verändern und neue Anreize zu haben. Ich glaube, auch eine kreativere Seite zu haben. Bei Errecom bin ich auch deshalb zufrieden, weil meine Aufgabe sehr abwechslungsreich ist und mir die Möglichkeit gibt, all meine Fähigkeiten frei und selbstständig zum Ausdruck zu bringen. Also, um auf Ihre Frage zu antworten: Ja, ich bin eine sehr präzise und akribische Person, aber nicht im übertriebenen Sinne. Ich denke nicht in festen Denkmustern. Ich gehe gerne über die Grenzen hinaus, weil ich glaube, dass es selbst für einen so geregelten Job wie meinen wichtig ist, die Feinheiten zu erfassen und daraus zu lernen.
4) Für Außenstehende scheint Ihre Arbeit ausschließlich im Unternehmen zu liegen. In Wirklichkeit wissen wir, dass auch ein anderer fundamentaler Aspekt, Teil Ihrer Position ist: Die Verwaltung und der Kontakt mit Finanz- und Versicherungsinstitutionen. Was meinen Sie, ist Ihre Stärke in diesem Punkt?
Mein Geheimnis im Umgang mit externen Mitarbeitern ist es, eine menschliche Beziehung zu schaffen. Ich glaube fest daran, dass es einen nicht weiterbringt, sich in einer besserwisserischen, selbstgerechten oder arroganten Weise aufzudrängen. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass Bescheidenheit, Verfügbarkeit und Empathie Wunderwaffen sind, um wertvolle Beziehungen aufzubauen und zu gestalten. Denn sie bilden die Basis, aus der Vertrauen und Wertschätzung entstehen. Ich glaube dies ist sehr greifbar, in den Ergebnissen, die ich erhalte! Natürlich, wenn ich merke, dass die andere Partei meine Menschlichkeit falsch versteht als eine Art Mangel an technischer Vorbereitung, wechsle ich sofort meinen Modus und meine Herangehensweise, denn zusätzlich zu dem, was ich bis jetzt erwähnt habe, ist der gegenseitige Respekt ebenso fundamental.
5) Als Personalreferentin, kümmern Sie sich auch um die Gesundheit der Mitarbeiter – ein Aspekt, der in dieser Zeit der Pandemie besonders heikel ist, weil er unweigerlich mit einer emotionalen Dynamik verbunden ist. Errecom hat vorbeugende Maßnahmen zur Verringerung des Infektionsrisikos getroffen. Hat dies zu Veränderungen in der Personalverwaltung geführt?
Die Verwaltung des Personals ist vielleicht die schwierigste Arbeit und dennoch lohnend. Es ist äußerst wichtig zu wissen, wie man zwischen den Bedürfnissen des Einzelnen und denen des Unternehmens vermittelt, indem man sich in die Lage des Angestellten versetzt und ihm, bei Bedarf, seine Zeit anbietet. Die aktuelle Zeit der gesundheitlichen Notlage, in der wir uns befinden, ist nicht hilfreich, es gibt schwierige Momente für uns alle, aber die Belegschaft von Errecom weiß: Meine Tür steht immer für alle offen! Aus organisatorischer Sicht, glaube ich, dass die anstrengendste Zeit letztes Jahr war: Es herrschte große Verwirrung, da jede Woche eine neue Verordnung vom Ministerium herausgegeben wurde, die neue Unternehmensprotokolle erforderte. Das Unternehmen hatte sich sofort bewegt, um den Angestellten einen sicheren Arbeitsplatz, der ihre Gesundheit schützt, zu garantieren. Von dem Moment an, an dem es möglich war, haben wir regelmäßige Screening- und Präventions-kampagnen durchgeführt, zunächst durch serologische Tests und dann mit Schnelltests. Eine grundlegende Entscheidung, um die interne Situation im Unternehmen zu überwachen und der Entstehung sogenannter „Hot Spots“ vorzubeugen. Ich bin zufrieden, dass ich meinen Beitrag leisten kann: Es war ein erheblicher Arbeitsaufwand, nicht nur auf menschlicher, sondern auch auf praktischer und organisatorischer Ebene, aber glücklicherweise ist der Leiter des Präventions- und Schutzdienstes (auf italienisch RSPP), der uns begleitet, sehr kompetent und auf dem neuesten Stand, was mir eine große Hilfe ist.
6) Der Covid-19 hat uns alle in der ersten Welle hart getroffen. Diese Erfahrung hat Ihre Einstellung zum Leben und den Umgang mit dem Alltag irgendwie verändert?
Während der ersten Welle habe ich den Virus durchgemacht: Ich hatte hohes Fieber, Halsschmerzen, mir fehlten der Geruchs- und Geschmackssinn. Es war kein Spaziergang, und in Momenten wie diesen macht man sich bewusst, dass das Leben wirklich nur eine Frage des Augenblicks ist. Die Prioritäten erneut bewerten, den Wert der einfachen Dinge wiederentdecken, die sie immer für selbstverständlich gehalten haben. Man realisiert, dass der Satz “Hauptsache gesund” gar nicht so banal ist, sondern voller Bedeutung und Bewusstsein steckt. Ich gebe zu, dass es auch in diesem Fall, die Kehreite der Medaille gibt. Eine Zeit lang fühlt man sich für diese neue Herangehensweise vorbereitet, bis man an den Punkt kommt, an dem man wieder vom System und von der engen Taktung eines zu schnell ablaufenden Lebens zwischen Heim, Arbeit, Familie und allem, was es ausmacht, eingeholt wird. Ich glaube, dass ist unvermeidbar. Man muss ein Gleichgewicht finden zwischen der Akzeptanz eines Lebensstils, den wir nicht komplett ändern können, und dem Bewusstsein, dass es jenseits der Hektik auch das wahre Leben gibt, der Sinn von Allem. Es ist nicht immer einfach, im Gegenteil, manchmal ist es frustrierend. Ich habe jedoch gelernt, mir meine Momente zu schaffen, voller tiefstem Bewusstsein, in denen ich komplett abschalte und es schaffe, mich völlig auf die einzelnen Dinge zu konzentrieren.
7) Abgesehen von der Arbeit, die, soweit wir verstanden haben, eine Leidenschaft für Sie ist, welche anderen Interessen haben Sie?
Ich liebe den Kontakt zur Natur, die frei Zeit an der frischen Luft zu verbringen, im Garten, mich um meine Pflanzen und Blumen zu kümmern. Und dann liebe ich die Tiere, vor allem die Hunde. Ich hatte immer mindestens einen, ich könnte nie ohne ihre Liebe leben. Ich betrachte sie wie Kinder, als richtige Familienmitglieder: Wie sie ihre Zuneigung zeigen, so tief und bedingungslos, wir Menschen können viel von ihnen lernen. Auch meine Tochter Aurora teilt mit mir dieselbe Liebe zu Tieren und der Natur: Sie hat eine Stute, mit der sie sogar auf nationaler Ebene Wettkämpfe bestreitet, und es ist für mich außergewöhnlich, ihr bei dieser Leidenschaft zu folgen. Wenn ich laut darüber spreche, denke ich darüber nach, dass meine größte Leidenschaft vielleicht genau das ist: Fürsorge, für Menschen, für meiner Familie, für unsere Tiere, für meine Pflanzen…. Wenn ich darüber genau nachdenke, will ich nicht leugnen, dass es manchmal sehr anstrengend ist: Ich habe viele Menschen die mich sehr lieben, aber gleichzeitig meine ständige Anwesenheit brauchen. Und doch, am Ende des Tages, trotz der Müdigkeit und Erschöpfung, fühle ich mich dankbar, weil dies vielleicht meine Lebensaufgabe ist: Ein Bezugspunkt für diejenigen zu sein, die ich liebe.
8) Karrierefrau, Mutter, Ehefrau: Drei unterschiedliche und manchmal weit entfernte Welten. Gibt es Ihrer persönlichen Erfahrung nach etwas, das sie gemeinsam haben?
Ich glaube, dass diese drei gegensätzlichen Welten durch das gleiche Feuer vereint sind, das sie herausfordernd, aber gleichzeitig lohnend macht: Leidenschaft. Wenn ich auf der Arbeit bin, widme ich meinen Körper und Geist dem Unternehmen Errecom. In dem Moment, in dem ich zur Haustür eintrete, wechsle ich den Stecker. Ich muss das so machen, es ist so auch richtig und wunderbar. Selbstverständlich habe ich mit der Zeit und durch die Erfahrung diese Balance gefunden. Ich habe gelernt, in dem aktuellen Moment präsent zu sein, sei es im Büro, mit meiner Tochter oder meinem Mann. Vielleicht ist genau das, das Geheimnis des Erfolges.

